Station 6

Die Stadtmusikanten und die Anhöhe „Horst“

Der Erzählung nach versteckten sich in alten Zeiten auf dieser Anhöhe Personen, die der Räuberei nachgegangen sein sollen. Oft wurden die Frachtfuhrwerke der Bremer Kaufleute, die hier vorbeifuhren, von diesen Burschen ausgeraubt. Als dann die Stadtmusikanten die Räuber verjagten, blieben sie bis zu ihrem Lebensende in dem ehemaligen Räuberhäuschen.


Was kann Wahrheit sein an dem Märchen der Stadtmusikanten?
Eine Reise in das Mittelalter könnte das Rätsel lösen. Damals machte der Spruch: „Stadtluft macht frei“ die Runde.

Der größte Teil der Landbevölkerung lebte in dieser Zeit in Abhängigkeit von den Grundherren. Sie bewirtschafteten deren Land, zahlten hohe Abgaben und leisteten Frondienste. Sie waren dem Herren sogar „leibeigen“, durften sie also nicht verlassen und war damit „Unfrei“. Wenn einer der Grundherren sehr hart mit seinen Forderungen war, wurde es bitter für das Landvolk. Verlockend war dagegen das Leben in den freien Reichsstädten.

So kam es, dass sich immer mehr Leibeigene in die Städte absetzten. Denn ein Gesetz in dieser Zeit besagte, dass ein „Unfreier“, der ein Jahr und einen Tag in einer Stadt gelebt hatte, zu einem „freien Stadtbewohner“ wurde. Diese Regelung wurde unter dem Druck der Reichsfürsten, im Jahr 1231 durch das „Statutum in favorem principum“ durch König Heinrich VII. aufgehoben. Hatte es jemand geschafft, in die Stadt zu fliehen, so war es gefährlich, hiervon zu berichten, da dieses die Obrigkeit nicht gerne hörte. Die Erzähler mussten in diesem Fall mit dem Zorn des Grundherrn rechnen. Unverfänglich war da doch eine Geschichte, in der die Entflohenen durch Tierfiguren ersetzt wurden, wie im Märchen der Stadtmusikanten.

Horst
In der niederdeutschen Sprache wird eine buckelartige Anhöhe, die mit Gestrüpp bewachsen ist, so genannt. Im norddeutschen Raum ist diese Bezeichnung, oft als Wortanhang, weit verbreitet. Beispiele hierfür sind: „Bockhorst“ (Bock steht für den Baum Buche), „Rahnhorst“ (Rahn bezeichnet einen Windbruch oder einen vom Wind ausgerissenen oder zerbrochenen Baum), „Scharnhorst“ (Scharn als Hinweis auf einer sumpfigen Niederung in der Nähe).
Dieses Schild steht unmittelbar an der Grenze der Gemarkung Scharnhorst, einem Ort, der zu Verden gehört. Der Weg der Stadtmusikanten endet hier auf dem privaten Gelände der Anhöhe.
Der Sandweg rechts führt zu einem kleinen Biotop. Am Ende des Weges wiederum nach rechts führt die befestigte Straße zunächst an einem Neubaugebiet, dann am Holzheizkraftwerk zur Linken vorbei, in den alten Ortskern von Kirchlinteln. Von dort aus führen die rechts abzweigenden Seitenwege wieder zur Hauptstraße, der Verbindung nach Verden und Visselhövede.

Eine Besonderheit in diesem Gebiet ist der wohl einmalige Grenzverlauf in 1000 Metern süd- östlicher Richtung. Auf einer Waldlichtung, bei der sich zwei Waldwege kreuzen und hinter einer Birkengruppe ein kleines, überwachsenes Hügelgrab steht, stoßen die Grenzen von fünf Ortschaften zusammen. Kirchlinteln, Weitzmühlen, Eitze, Borstel und Scharnhorst.
Die dazu überlieferte, alte Erzählung berichtet von einem Streit zwischen dem Verdener Bischof und einem Riesen aus dem Dorfe Heins. Der Riese besaß eine große Schafherde. Regelmäßig hatte er die Schafe gemolken. An einem Tag gaben sie jedoch keine Milch, weil sie schon jemand anderes gemolken hatte. Dem Riesen wurde zugetragen, dass hierfür der Verdener Bischof verantwortlich war. Voller Zorn darüber nahm er einen riesengroßen Findling und schleuderte ihn in Richtung Verden. Dieser sollte den Dom treffen, damit darin der Bischof erschlagen würde. Doch der Schwung reichte nicht aus und der große Stein fiel genau im Lindhoop zu Boden, an der Stelle, an der die fünf Orte aneinandergrenzen.
Der Stein wurde später zerschlagen, als in Weitzmühlen Häuser gebaut wurden, zu einer Zeit, in der noch Findlinge als Fundamentsteine verwendet wurden. Durch diese Hausbauweise wurde so manch alte Kultstätte zerstört.

Zeitzeugen, geborgen aus den Fundamenten alter Häuser. Heilige Steine. Der Schalenstein im Landesmuseum Hannover und der Sonnenstein im Bremer Focke-Museum.

 

Druckansicht
Druckansicht:
Termine
Es sind zur Zeit keine Termine vorhanden.