Station 5

 Die Stadtmusikanten und der Lintler Krug
Auf den Handelsweg in Richtung Bremen, von dem heute noch die Hohlwegspuren erkennbar sind, gelangten sie zur Postpferdewechselstation in Kirchlinteln. Hier wurde ein hochherrschaftlicher Besuch erwartet, der mit traditioneller niedersächsischer Hochzeitssuppe begrüßt werden sollte. Da hierzu eine kräftige Hühnerbrühe benötigt wurde, sollte der Hahn geschlachtet werden.
Voller Angst saß dieser nun auf dem Zaun vor dem Hause und schrie aus Leibeskräften. Nur zu gerne ließ er sich überreden, mit nach Bremen zu wandern, als Esel, Hund und Katze ihn dazu aufforderten. Weil es dunkelte, nächtigten sie im Lindhoop, einem Waldstück zwischen Verden und Kirchlinteln. Auf einem hohen Schlafbaum thronte der Hahn. An Verdens Stadtgrenze, auf einem Hügel, der von den Einheimischen Horst genannt wird, entdeckte er das Licht des Räuberhauses. Wie die vier dort die Räuber verjagten, ist wohl jedem bekannt und auch, dass sie bis an ihr Lebensende in dem Räuberhäuschen blieben. Zum Andenken an diese Erzählung wird bei der ehemaligen Pferdewechselstation, dem Lintler Krug, den Gästen das Erfrischungsgetränk „Hahnentritt“ gereicht, welches durch einen Schuss Eierlikör den besonderen Pfiff bekommt.

Kirchlinteln
Außer den drei- bis viertausend Jahre alten Hügelgräbern ist dieses Gebiet reich an vorgeschichtlichen Spuren. Alte Handelswege aus dem Norden, von Bremen kommend, kreuzten hier die Salzstraßen aus dem Lüneburger Gebiet. Hohlwege dieser vorzeitlichen Fernverbindungswege sind in der Kirchlintler Hügelgräberheide erhalten. Eine malerisch modellierte Landschaft mit weiten Wald-und vereinzelten Heideflächen hat hier die letzte Eiszeit mit Sand und Steinen aus dem skandinavischen Gebirgsrücken geformt.
Historische Geschichte
Nach der Christianisierung war Kirchlinteln im Besitz einer adeligen Familie, deren Familienmitglieder als Ministerialen im Dienst des Verdener Domes standen. Während die umliegenden Dörfer gegenüber den Verdener Domherren abgabepflichtig waren, war Kirchlinteln abgabefrei. Daher ist in den alten „Jördebüchern“ (Festlegung der Abgaben und Steuerlasten) der Name Kirchlinteln nicht zu finden. Reste dieser Vormachtstellung in der Region sind nur als Straßennamen, z. B der „Voigtei“, geblieben. Als Vogt, wurde im Allgemeinen ein herrschaftlicher, meist adeliger Beamter des Mittelalters bezeichnet.
Kirchlinteln wurde um 1123 Lintlo genannt, ab 1320 in Schriftstücken als Kercklinthle und ab dem 19. Jahrhundert wird der nun heute übliche Name Kirchlinteln genannt.
Kriegerische Geschichte
Die günstige Wegeführung lockte immer wieder Kriegs-scharen in den Ort. Der dänische König Christian der IV hatte zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges in Kirchlinteln sein Heerlager aufgeschlagen. Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg hielt hier eine Heerschau über seine neu aufgestellte hannoversche Armee. Auch der berüchtigte Tilly schlug hier einige Zeit lang sein provisorischen Lager auf. Als Artillerie-Exizierplatz und Übungsgelände diente der zwischen Verden und Kirchlinteln liegende Forst Lindhoop vor dem Zweiten Weltkrieg den in Verden stationierten Soldaten.
Mordsgeschichten
Am 22. Mai 1669 lähmte ein Mord das dörfliche Leben. Pastor Busch mit Ehefrau und Sohn fielen dabei einem Raubmord zum Opfer. Einer der beiden gefassten Mörder endete auf dem Scheiterhaufen. Der stand auf dem Heid-berg im Bereich der Straßen „Zum Heidberg“, „Vor dem Osterberg“ nahe dem Haus Nummer 5. Ebenfalls ein Mord wurde anfänglich vermutet, als 1903 beim Torfstechen in Brammer eine Moorleiche gefunden wurde. Die se kam ins Völkerkundemuseum nach Berlin und wurde dort im Zweiten Weltkrieg zerstört. Haare von diesem „Moormann“ sollen im Moormuseum Elisabethfehn zu sehen sein.
Luftkurort –Gesundbrunnen
Anfang des 19. Jahrhundert war Kirchlinteln ein Luftkurort. Als Kurhaus diente der Lintler Krug. Von hier aus wurden die Kurgäste mit der Pferdekutsche für Kur-Anwendungen nach Verden zum Gesundbrunnen gefahren. Mit der Eisenbahn kamen Tagesgäste aus Bremen. Nach einem Spaziergang durch die weitläufigen Heideflächen rings um Kirchlinteln kehrten sie in den Lintler Krug ein. Hier genossen sie den Kaffee und Kuchen im Garten hin-ter dem Krug, um dann so an Seele und Körper erquickt die Heimreise anzutreten.

 

 

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