Märchen

Weitere Sprachen: ENFRNL

Die Geschichte der Stadtmusikanten, wie sie hier erzählt wird. 

Um das Märchen der Stadtmusikanten bildlich nachempfinden zu können, wurde es in diese Region projiziert. Dabei führt die Erzählung durch die Landkreise VER, ROW und Heidekreis (HK).
Eine von den großen Verkehrsstraßen abseits gelegene Landschaft mit Wald, Geest, Heide und Moor. Über wenig befahrene Seitenwege führt der Stadtmusikantenweg vorbei an historische Gebäude und Hofstellen sowie an den Hohlwegspuren eines alten Handelsweges.

 Um diese symbolischen Orte zu finden, wird das Märchen hier nun so erzählt:

Vor langer, langer Zeit lebte in einem kleinen Ort, nicht weit von Bremen, in Stellichte, bei der Oberen Wassermühle, direkt neben der Rittergutskirche, ein Esel. (Stellichte gehört zur Stadt Walsrode und liegt im Heidekreis).
(Die Rittergutskirche wurde vor 400 Jahren gebaut, ist sie heute noch erhalten und kann besichtigt werden).

Der Esel hatte über lange Jahre hinweg die schweren Säcke in der Mühle getragen. Weil er nun alt war und ihm die Arbeit zu schwer wurde, wollte sein Herr ihn aus dem Futter schaffen.
Damit war gemeint, er sollte nichts mehr zu Fressen bekommen und möglicherweise sogar an einen Rossschlachter verkauft werden. Der Esel merkte, dass Böses geplant war, und lief seinem Herrn davon. Von Reisenden hörte er, wie diese erzählten, dass „Stadtluft frei machen solle und wer in der Stadt lebt, nicht mehr von seinem Herrn zurückgefordert werden kann“.

So machte er sich auf den Weg nach Bremen und kam am Königshof vorbei, eine einstellige Hofanlage, die nun zur Stadt Visselhövede gehört. Der Erzählung nach war der Königshof einst eine Domaine Kaiser Karl des Großen. Eines der Privilegien der Bewohner war seit jeher die Ausübung des Jagdrechtes.Daher wurden dort über Generationen hinweg Jagdhunde gehalten. Weil nun auch in dieser Zeit der Jagdhund alt war und seine Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte, sollte er erschlagen werden. Da nahm er Reißaus und schloss er sich dem Esel an, um mit ihm nach Bremen zu wandern. Heute bekommen auf dem Königshof die Jagdhunde und auch die anderen Haustiere im Alter ihr Gnadenbrot.
Der Weg führte sie entlang der Lehrde, einem Heidebächlein, und durchs Moor. In Verdenermoor litten die armen Moorbauern unter einer Mäuseplage. Das letzte Korn wurde ihnen weggefressen. Um dieser Plage Einhalt zu gebieten, hielten sie sich Katzen, die täglich mindestens fünf Mäuse vertilgen mussten. War einmal eine Katze alt und konnte ihr Pensum nicht mehr schafften, wurde sie in einem der Moorgräben ersäuft. So sollte es nun auch mit einer Katze vom Krusenhoff geschehen. Jämmerlich maunzend saß sie am Moorweg, dem Krusendamm.

Esel und Hund kamen ihr gerade recht daher und so zog sie als Dritte mit nach Bremen.
Viele kleinen Nachkommen dieser Katze tummeln sich heute noch auf diesem ehemaligen Moorhof, der nun zu einem Urlaubsquartier geworden ist.

Sie marschierten entlang den Hohlwegspuren des Handelsweges in Richtung Bremen durch die Hügelgräberheide bis zur Pferde-Wechselstation, dem Lintler Krug.
Dort hatte sich hochherrschaftlicher Besuch angekündigt. Wie es der Brauch verlangte, sollte deshalb ein Festessen mit der traditionellen Hochzeitssuppe gekocht werden. Da hierzu eine kräftige Hühnerbrühe benötigt wird, sollte der Hahn geschlachtet werden. Voller Angst saß dieser auf dem Brunnen am Kornspeicher und schrie aus vollen Leibeskräften.

Nur zu gerne ließ er sich überreden, mit nach Bremen zu wandern, als die Drei ihn dazu aufforderten.
Zum Andenken an diese Erzählung wird bei der ehemaligen Pferdewechselstation, dem Lintler Krug den Gästen das Erfrischungsgetränk „Hahnentritt“ gereicht, das mit einem Schuss Eierlikör den besonderen Pfiff bekommt.
Weil es dunkelte, suchten sie ein Quartier für die Nacht im Lindhoop, einem Waldstück zwischen Verden und Kirchlinteln.

Nahe dem jetzigen Waldspielplatz, unter einem dichten Laubbaum legten sie sich nieder, hoch oben in der Krone der Hahn.
Von dort entdeckte er auf einem Hügel, der von den Einheimischen Horst genannt wird und an der Grenze zur Stadt Verden liegt, das Licht des Räuberhauses.

Wie die Vier daraus die Räuber verjagten, ist wohl jedem bekannt und auch, dass die Stadtmusikanten bis an ihr Lebensende in der Räuberhütte wohnten.


 --------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Doch wie kommt es, dass nun ein Denkmal der vier Gesellen, die einst nach Bremen wandern wollten, in Bremen am Rathaus steht ?
Schon in frühen Zeiten hatten die Bremer Kaufleute einen weltweiten Handel betrieben.
Durch die dabei entstandenen guten Kontakte zu anderen Ländern wurde Bremen als „Das Tor zur Welt“ bezeichnet.
Der Schlüssel im Bremer Wappen symbolisiert diese „Schlüsselposition“, die Bremen im internationalen Handel einnimmt.
Im Mittelalter gab es eine Zeit, da hatten die Bremer Kaufleute einen schweren Stand, weil sie ihre Waren nicht mehr sicher transportieren konnten.
Auf dem Seeweg wurden ihre Handelsschiffe Beute der Seeräuber und auf den Landwegen wurden ihre Frachtfuhrwerke von Strauchdieben ausgeraubt.

Solche Wegelagerer sollen in alten Zeiten auch in Kirchlinteln auf dem Horst gelebt haben.
Durch die Vertreibung der Spitzbuben durch die Stadtmusikanten wurde dieser Weg wieder gefahrlos passierbar.
Nun konnten die Kaufleute ihre Waren ohne Schrecken über den Landweg transportieren.
In Bremen war die Freude darüber riesengroß.
Gerne hätten sie diese mutigen Geschöpfe in ihren Stadtmauern begrüßt. Doch die blieben im Räuberhaus, auf dem Hügel, nahe der Stadt Verden, bis an ihr Lebensende und erlebten dabei noch so manches Abenteuer.

Doch das ist eine andere Geschichte, von der auch in der Region erzählt wird.


Viele Jahre später hatte ein Ratsherr die Idee, den vieren, die in schweren Zeiten die Bremer Wirtschaft retteten, neben dem Rathaus ein Denkmal zu setzten.
Das Standbild wurde 1951 von dem Bildhauer Gerhard Marcks geschaffen, sodass nun die Stadtmusikanten für alle Zeiten in ihrer Heldenposition in Bremen zu sehen sind.




In Bremen wird erzählt:

„Fasst man den Esel mit beiden Händen an den Vorderbeinen, so geht ein Wunsch in Erfüllung“. 

Doch keinesfalls sollte man
mit nur einer Hand
ein Bein des Esels ergreifen.
Denn dann würde ein Esel
dem anderen die Hand reichen!


Sagt man in Bremen! 

Druckansicht
Druckansicht:
Termine
Es sind zur Zeit keine Termine vorhanden.